Kinderpsychiatrie und Jugendpsychiatrie nimmt zu

By | 17. September 2016
Kinderpsychiatrie Jugendpsychiatrie

Kinder- und Jugendpsychiatrie ist in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der Medien geraten. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob die psychischen Probleme von Kinder heute größer sind als in der Vergangenheit oder ob lediglich das mediale Interesse zugenommen hat. Laut einer Statistik des Statischen Bundesamtes haben die Fallzahlen im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie zwischen 1991 und 2010 um 130% auf 20.400 zugenommen. Doch was zeichnet diese Fachrichtung aus und welche Behandlungsmethoden werden dabei angesetzt? Diese Fragen werden nun etwas genauer beantwortet.

Was macht die Kinderpsychiatrie und Jugendpsychiatrie?

Die Aufgaben und Problemstellungen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind sehr vielfältig und lassen sich nicht mit kurzen Worten umschreiben. Dabei können sowohl ambulante Behandlungen in einer Praxis als auch längerfristig angelegte Therapien in einer Klinik induziert sein. Die wichtigsten Aufgabenfelder dieser Disziplin sind:

  • Diagnostik von psychischen, neurologischen und auch psychosomatischen Störungen
  • Ansätze zur Therapie
  • Prävention künftiger Ausbrüche und Schübe

Die Therapieansätze sind dabei sehr unterschiedlich und werden stets auf den Einzelfall zugeschnitten. Sollten beispielsweise Störungen im Sozialverhalten vorliegen, sind diese natürlich anders zu behandeln als Suchtproblematiken oder Epilepsie. In der Kinderpsychiatrie und Jugendpsychiatrie werden neben Gesprächs- und Verhaltenstherapie bei entsprechender Grundlage auch medikamentöse Behandlungsansätze gewählt.

Welche Krankheitsbilder sind in der Kinderpsychiatrie und Jugendpsychiatrie bekannt?

Es gibt eine ganze Reihe von Krankheitsbildern, die heute von der Kinder- und Jugendpsychiatrie erfasst und entsprechend behandelt werden. Die wichtigsten sollen nun kurz aufgelistet werden:

1. Essstörungen

Zu den Essstörungen gehört neben der Anorexia nervosa und der Bulimia nervosa mitunter auch Adipositas. Es wird also davon ausgegangen, dass der Fettleibigkeit durchaus psychische Ursachen zugrunde liegen können. Oft kann die erhöhte Essensaufnahme der Verdrängung von Problemen und Schmerz zugeschrieben werden. Andere Kinder und Jugendliche reagieren diesbezüglich wiederum eher mit extremer Magersucht (Anorexia nervosa), wobei hier auch fehlgeleitete Wünsche in Bezug auf das eigene Aussehen als Ursache gelten können.

2. Aufmerksamkeitsdefizite

Krankheiten wie ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit Hyperaktivitäts-Störung) sind vor allem im Schulalltag mittlerweile allgegenwärtig. Die betroffenen Kinder haben Probleme, sich länger auf eine Sache wie den Schulstoff zu konzentrieren und können durch ihre Hyperaktivität oft ungewollt den Unterricht massiv stören. Nicht selten hat dies schlechte schulische Resultate zur Folge. Auch wenn häufig eine medikamentöse Behandlung helfen kann, werden weitere Therapieansätze ausprobiert.

3. Motorische und sprachliche Probleme

Sollten bei einer Vorsorgeuntersuchung oder gar im normalen Alltag motorische oder sprachliche Probleme bei Kindern entdeckt werden, ist dies häufig ein Fall für die Kinderpsychologie. Neben ergotherapeutischen Maßnahmen zur Verbesserung der Motorik kommt je nach Einzelfall auch Sprachtherapie zum Einsatz. In zusätzlichen Gesprächen wird zudem ergründet, ob die Probleme tiefere psychische Ursachen haben.

4. Suchtprobleme

Gerade bei Jugendlichen sind Suchtprobleme keine Seltenheit. Ob Haschisch, Marihuana, Alkohol oder gar härtere Drogen – neben einer Suchtberatung ist hier häufig auch die Arbeit eines Psychologen oder gar Psychiaters gefragt. Der Entzug ist nämlich nur die eine Seite der Problematik. Viel schwieriger erscheint es dagegen oftmals, die psychisch so zu stärken, dass Rückfälle nicht auftreten.

5. Epilepsien

Bei der Epilepsie handelt es sich um krampfartige Anfälle, die oftmals spontan und ohne direkte vorhergehende Ursache auftreten. Die möglichen Auslöser sind sehr vielfältig und reichen von genetischen Faktoren über Hirnschädigungen bis hin zu Infektionen mit Masern oder Meningokokken. Nicht selten arbeiten hier Neurologen und Psychiater eng zusammen, um die Ursachen im individuellen Fall zu klären.

Fazit
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein sehr weites Feld mit vielen Forschungsbereichen. Auch wenn die Fallzahlen in den letzten Jahren stark zugenommen haben, ist davon auszugehen, dass die heutigen Kinder nur in einigen Bereichen wie Adipositas mehr psychische Probleme haben als in der Vergangenheit. Heute ist vor allem das Bewusstsein für solche Erkrankungen wesentlich größer. Sollte das eigene Kind also Auffälligkeiten psychischer Natur zeigen, kann ein Besuch beim Kinderpsychologen helfen, die Ursache zu finden. Scheuen Sie den Gang zu eine solchen Spezialisten nicht – oftmals lassen sich Schwierigkeiten in den Griff bekommen und die betroffenen Kinder können später ein ganz normales Leben führen.

Bild: © Anja Greiner Adam – Fotolia.com